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Andreas BocK
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Muhammad Fadli

Seit 1995 starben über 70 Fans im indonesischen Fußball. Jede Auswärtsfahrt könnte deshalb für die Ultras von Persija Jakarta die letzte sein. Ein Roadtrip durchs Kriegsgebiet

Diese Reportage erschien im Januar 2018 in 11FREUNDE #194.

Kapitel 1

Feige Hunde

Bei Kilometer 243 sind sie da. Kurz nach Mitternacht, auf dem endlosen Asian Highway 2, huschen sie über die Felder. In der Dunkelheit erkennt man ihre Silhouetten. Wie sie ihre Munition zusammensuchen. Wie sie sich in den Gräben hinter der Leitplanke verschanzen. Kleine Krieger, wilde Kerle, die meisten kaum älter als 15, 16 Jahre. Sie sind Fans des indonesischen Erstligisten Persib Bandung, und diese Gegend, West-Java, ist ihr Revier.

Der Fahrer des Persija-Busses beschleunigt, aber es ist zu spät. Ein Stein fliegt und dann noch einer. Treffer. Scherben auf den Sitzkissen, Blut auf den Wangen eines Jungen. „Anhalten!“, ruft einer, und der Wagen kommt mitten auf der Straße zum Stehen. In der Hitze der Nacht rasen die Autos vorbei, grelle Lichthupen über dem Asphalt, irritierte Blicke hinter den Fenstern, während sich die Anhänger von Persija Jakarta auf die Gegenoffensive vorbereiten. Keine Gnade, keine Furcht, aber hati-hati, immer auf der Hut! Sie stürmen aus dem Bus. Bewaffnen sich mit herumliegenden Stöcken. Schwingen Bambusrohre wie Samuraischwerter. Schießen Leuchtraketen in den javanischen Himmel, um die Peripherie zu erhellen. „Da hinten! Das sind sie!“ In der Ferne sieht man noch die Umrisse der Persib-Fans, unerschrockene Gesichter, triumphierendes Lachen. Sie sind schon viel zu weit weg. „Feige Hunde!“

„Setzt euch nicht ans Fenster. Es geht durch West-Java, Feindesland. Manchmal wird man nett begrüßt.“

Drei Tage zuvor, am 30. Oktober 2017, hatten die Polizei und der Fußballverband entschieden, Persija Jakartas Heimspiel gegen Persib Bandung auf einen Freitagnachmittag ins 600 Kilometer entfernte Surakarta zu verlegen. Aus Sicherheitsgründen, hieß es. Denn bei diesem Spiel der verhassten Rivalen, das einige Old Indonesia Derby und andere den Clasico nennen, kommt es regelmäßig zu Ausschreitungen. Aber es war naiv zu glauben, diese Maßnahme würde die Situation beruhigen. Und vielleicht war es auch von uns ein wenig arglos, die Fans auf diesem Roadtrip zu begleiten. 18 Stunden auf der Autobahn. 18 Stunden in einem Bus mit 59 Plätzen, in dem nun etwa 75 aufgekratzte Persija-Ultras übereinander stehen, sitzen und liegen wie Tetrissteine. 18 Stunden für den großen Triumph, Highway to Heaven, aber erst mal geht’s durch die Hölle.

Der Kontaktmann, auch ein Junge aus der Fanszene, hatte vor der Abfahrt eine SMS geschrieben: „Setzt euch nicht ans Fenster!“ Und auf Nachfrage: „Es geht durch West-Java, Feindesland. Manchmal wird man nett begrüßt.“ Dahinter ein Smiley. Mit dem Flugzeug hätte man für die Strecke Jakarta–Surakarta eine Stunde benötigt; die sichere Alternative, einerseits. Aber kann man den Wahnsinn des indonesischen Fußballs beschreiben, wenn man ihm nicht wenigstens einmal ins Auge schaut?

Diese Geschichte handelt von einer weiten Reise und einer innigen Liebe – aber sie hat kein Happy End. Sie erzählt von Treue, Ehre, Stolz und dem ganzen pathetischen Rattenschwanz. Es geht um junge Menschen, die für die Farben ihres Vereins alles tun würden, sogar sterben. Und das ist keine Floskel, sondern bittere Realität, denn seit 1995 sind bei Fußballspielen in Indonesien 65 Fans gestorben. Aber es geht auch um korrupte Funktionäre und irre Klubbesitzer. Um einen Fußball, der seit Jahren auf der Intensivstation liegt und eigentlich nur noch künstlich am Leben gehalten wird. Sie spielt in einem Land, das die Schriftstellerin Elizabeth Pisani mal eine „unglaubliche“ Nation genannt hat, und vermutlich gibt es kein Adjektiv, das Indonesien besser beschreibt.

Am Anfang stehen immer diese Superlative: 17 504 Inseln, 360 Ethnien, 719 Sprachen. Nirgendwo auf der Welt leben mehr Muslime in einem Land als hier. Die Nation liegt auf dem vierten Platz der bevölkerungsreichsten Staaten, Groß-Jakarta ist mit 30 Millionen Einwohnern nach Tokio die zweitgrößte Agglomeration der Welt. Dann noch all diese Bilder aus der blutigen Vergangenheit, die fast jeder hier in sich trägt. Die drei Jahrzehnte währende Diktatur Suhartos, die Massaker der sechziger Jahre, die Eroberung Ost-Timors in den Siebzigern. Am Ende immer die Frage: Was ist Indonesien heute?

„Es ist trotz seiner Größe das unsichtbarste Land der Welt“, hat der berühmte indonesische Unternehmer John Riady gesagt. Denn was weiß man wirklich? Der Westen kennt es als Name auf einem Lonely-Planet-Reiseführer, Backpacking-Folklore, Traumstrandidylle, Bali, Lombok, die Gili Inseln. Die Nasi-Goreng-Garküchen in Surabaya, die Wayang-Schattenspieler in Malang, die Bajaj-Fahrer in Jakarta, „Mister, Mister, Taxi?“ Und zwischendurch liest man immer mal wieder Nachrichten wie diese aus dem November 2015: „Verurteilte Drogendealer könnten in Indonesien auf einer Insel landen, die von aggressiven Krokodilen statt von Gefängniswärtern bewacht wird.“ Unglaublich? „This is Indonesia!“, sagen die Einheimischen.

Kapitel 2

Leeds in West-Java

„Welcome to Jakarta“, hatten die Ultras von Persija kurz nach unserer Ankunft geschrieben. Ihr Verein ist einer der größten im Land, aber die Erfolge liegen schon einige Jahre zurück. 2001 gewann der Klub zuletzt die Meisterschaft. Aber das ist nun nebensächlich, denn das Spiel gegen Persib erzählt eine ganz eigene Geschichte. Es ist zwar nicht so farbenfroh wie das marokkanische Derby zwischen Raja und Wydad Casablanca und auch nicht so laut wie eines in Istanbul. Aber es geht so brutal zu wie bei vermutlich keinem anderen Fußballspiel auf der Welt. Es ist ein Duell, in dem sich das ganze Chaos entlädt. Der totale Exzess. Der Kampf zwischen der Hauptstadt und der Provinz West-Java.

Sweet dreams: Nach 18 Stunden Busfahrt, fünf Attacken und sehr viel Schnaps

Die Reise nach Surakarta beginnt am Donnerstag, den 2. November. Treffpunkt ist ein Supermarkt in Tambora, West-Jakarta, die Slums nur einen Steinwurf entfernt. Schon die einstündige Fahrt aus Zentral-Jakarta nach Tambora ist ein Höllenritt durch ein urbanes Labyrinth, das für die einen Traum und Sehnsuchtsort ist, für die anderen ein Moloch und Gerüst, provisorisch zusammengehalten von Ersatzteillagern, Wellblechhütten, Eisen, Rost, Hochhäusern, Shoppingmalls, Baustellen, Moscheen, Lichtern, Lärm, Mopeds, Autos, Hitze. Momentan ist es besonders chaotisch, denn Jakarta rüstet auf für die Asienspiele 2018.

Vor einigen Jahren ordnete die Regierung wegen des hohen Verkehrsaufkommens an, dass zu Stoßzeiten mindestens drei Personen in einem Wagen sitzen müssen. Die Superreichen flogen daraufhin mit Privathelikoptern zur Arbeit, die Normalreichen ließen sich chauffieren und lasen am Straßenrand sogenannte „Jockeys“ auf, die sich für ein paar Rupiah als dritter Fahrgast anboten. Unglaublich? Ach.

Am Supermarkt in Tambora spielen zwei junge Männer auf Gitarren Lieder des indonesischen Musikers Iwan Fals, der zur Suharto-Zeit als Asiens Bob Dylan galt. Bald trudeln die ersten Persija-Fans ein und singen den Protestsong „Bento“ voller Inbrunst mit, als könnten sie alles, die blutige Vergangenheit und auch die harte Gegenwart, einfach niederbrüllen. Sie sind Kinder, Teenager, Engel, Heilige, Märtyrer, Halbstarke, Verbrecher, Ausgestoßene, Vergessene, Verlorene – es kommt nur auf die Perspektive an. Ihre Gesichter sind voller Spuren, aber eigentlich ist alles an ihnen, die Haare, die Haut, die Körper, zart und fragil wie Orangenpapier.

Die meisten von ihnen haben keinen Job, sie sprechen kein Englisch, sie waren nie im Ausland, viele haben noch nicht ein einziges Mal in ihrem Leben die Insel Java verlassen. Aber sie wissen, was die zwei Wörter auf ihren T-Shirts bedeuten: Crazy Boys. Es ist eine von zahlreichen Persija-Ultragruppen. Ihre Gang. Etwas, das ihnen in diesem riesigen und zerfaserten Inselstaat zumindest ein wenig Halt und Glück verspricht. Sie setzen sich vor den Supermarkt und trinken selbstgebrannten Schnaps, Ciu, abgefüllt in PET-Flaschen. Die besonders Harten verstärken ihn mit Insektenschutzmittel. „Drink!“, sagt einer und hält das Gesöff in die Luft. „What’s your name, Mister?“, fragt ein anderer und reicht schüchtern seine Hand. Es ist, als würde man in Watte greifen.

Am Bus steht Luthfi Ryan. Er trägt Trainingsjacke, Brille und Bart. Er ist kräftiger als die anderen und der Organisator der Tour. Auf einem Zettel hat er die Namen der Mitreisenden vermerkt und ruft sie nun nacheinander auf. 300 000 Rupiah kostet das Paket aus Reise, Verpflegung und Eintrittskarte, das sind etwa 18 Euro, eine Stange Geld für jemanden, der normalerweise 50 oder 60 Cent für ein Abendessen ausgibt. „Keine Sorge“, sagt Luthfi, „wir werden heute Nacht von der Polizei eskortiert.“ Bis nach Surakarta? „Ja!“

Luthfi ist 20 Jahre alt und arbeitet in einem Copyshop. Wenn man ihn fragt, was seine Wünsche für die Zukunft sind, sagt er, Persija solle es gut gehen. Die westliche Kultur und den europäischen Fußball kennen er und seine Freunde aus dem Internet oder aus Filmen. Sie finden die Ultras von Galatasaray gut, interessieren sich für Fankultur aus Italien und Argentinien. Aber vor allem lieben sie England. Bands wie die Stone Roses oder Oasis und den Look der Casuals, den Hooligan-Chic der achtziger Jahre. Sie haben Filme wie „Green Street Hooligans“ oder „Awaydays“ gesehen und tragen die gleichen Logos wie die Protagonisten mit Stolz am Revers: Sergio Tacchini, Fila, Adidas. Auch deshalb erscheint ihre Gruppe an diesem Ort wie ein riesiger asiatischer Markt, auf dem die Kopien europäischer Subkulturen feilgeboten werden. Dabei scheint es beinahe egal, wie das Original aussah, oder dass sich ihre Referenzen auf eine Zeit beziehen, die lange vorbei ist. Es geht um den Style, die maskuline Pose, ausgeschnitten aus den rauen Achtzigern, eingeklebt ins Jakarta der Gegenwart.

„No one like us, we don’t care. We are Persija!“

Ein Junge zeigt Facebook-Bilder der Persija-Hooligans, die sich „Tiger Bois“ nennen und natürlich oberkörperfrei vor der Kamera posieren, die Gesichter sind verpixelt. So wie sie es bei europäischen Banden gesehen haben. „Die Inter City Firm ist die härteste Gang, oder?“, fragt einer, der ein Shirt trägt, auf dem „Forever Blowing Bubbles“ steht. Später kommt ein Junge dazu, auf dessen Hemd der Satz prangt: „No one like us, we don’t care. We are Persija!“ West Ham und Millwall statt Paris Saint-Germain und Real Madrid. Ackerromantik statt Familienblock.

Wenn in den vergangenen Jahren im Westen über indonesischen Fußball gesprochen wurde, ging es meist um Themen wie Spielmanipulationen, Korruption oder den Fifa-Ausschluss 2015, nachdem sich die Politik in den Fußball eingemischt hatte. Zuletzt sorgte der Transfer des ehemaligen Chelsea-Spielers Michael Essien zu Persib Bandung für Aufsehen. Aber sonst? Spielen die Indonesier nicht lieber Badminton? In Wahrheit leben in Indonesien die fußballverrücktesten Menschen Asiens. Selbst China, wo angeblich gerade ein Fußballwunderland entsteht, wirkt im Verhältnis dazu blass. Der Fußballboom in Indonesien begann mit Übertragungen der Serie A in den Neunzigern, danach eroberten die englischen und spanischen Vereine das Land. Klubs wie Real Madrid und Juventus Turin haben mittlerweile Websites in der Landessprache Bahasa Indonesia, der indonesische Fanklub von Manchester United zählt über 31 000 Mitglieder und hat 114 Chapter im Land.

Und dann sind da noch die einheimischen Ligen, international kaum beachtet, qualitativ auf deutschem Drittliganiveau, aber im Land selbst, trotz aller Skandale, mit einer ungebrochenen Strahlkraft. Noch ein paar Superlative: 1985 strömten 150 000 Zuschauer zum Finale der nationalen Amateurliga ins Gelora-Bung-Karno-Stadion. Heute kommen selbst zu Spielen eines Zweitligisten wie PSS Sleman regelmäßig über 30 000 Fans. Und der Erstligist Persib Bandung ist mit knapp zehn Millionen Facebook-Followern der beliebteste Fußballverein in ganz Asien.

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Kapitel 3

I don’t want to die

Gegen 19 Uhr ist Abfahrt. Ein Gebet zu Beginn, die Fans bitten Gott, er möge Persijas Spieler stark und schnell machen. Dabei dröhnt „You’ll Never Walk Alone“ aus den Boxen, eine Coverversion der indonesischen Punkband Keotik. Danach Oasis, „Live Forever“, das Original. Maybe I just want to fly, singt Liam Gallagher, I want to live, I don’t want to die, es könnte ihr Soundtrack sein. Bei Kilometer 17 der erste Stop auf einem Rastplatz, und nun erkennt man auch den Ausmaß dieser Tour. Denn nicht nur die Crazy Boys sind auf dem Weg nach Surakarta, es sind Hunderte, Tausende, ein ganzer Konvoi schleppt sich in dieser Nacht über den Highway, einige sind sogar mit Mopeds unterwegs. Die Fans stolpern aus den Bussen und Autos hinüber zu den Satay-Verkäufern, und die Ciu-Flasche kreist durch die Reihen, „Mister, Mister, drink!“ Bier trinken sie nicht, kostet zu viel, betäubt zu wenig.

„In 30 Kilometern wird’s gefährlich!“ Was ist mit der Polizeieskorte? „Polizei? Die kommt heute nicht mehr.“

Vor der Weiterfahrt schaut Rifki Haikal auf sein Handy und prüft die Route. Der 20-Jährige trägt Windbreaker, britische Flat-Cap, ­Leeds in West-Java. „Noch sind wir sicher“, sagt er. „Aber in 30 Kilometern wird’s gefährlich!“ Was ist mit der Polizeieskorte? „Polizei? Die kommt heute nicht mehr.“ Früher hat Rifki in einem lokalen Supermarkt gearbeitet, jetzt ist er arbeitslos. Er träumt von einer eigenen Firma, will Klamotten produzieren, coole Slogans auf T-Shirts drucken, so wie es die jungen Leute in England machen. Letztes Jahr war er dabei, als ihr Konvoi von Persib-Fans mit Steinen attackiert wurde und zwei Freunde starben. Einer lag schon am Boden, als die Angreifer mit einer Axt auf ihn einschlugen – bis er sich nicht mehr regte. Keine Gnade. Rifki schaut aus dem Fenster. Was dieser Vorfall mit ihm gemacht hat, kann er nicht sagen. Warum er trotzdem noch mitfährt schon: „Ich folge meinem Herzen. Gott beschützt mich.“ Dann schweigt er.

Bei Kilometer 39 knallt es zum ersten Mal. Einen Bus hat es erwischt, eine Scheibe ist zersplittert, verletzt ist aber niemand. Kurzer Halt mitten auf der Autobahn. Auf der Leitplanke sitzen Dinar und Raina. Sie sind 15 und 16 Jahre alt und die einzigen Mädchen im Bus. Sie gehen noch zur Schule. Auch sie wollen nicht über ihre Ängste sprechen. Lieber darüber, dass Persija stark sei. Und die Eltern? Hati-hati, immer vorsichtig sein, sagen sie. Neben ihnen setzt sich Anas auf die Straße, 17 Jahre jung, ebenfalls noch Schüler, ein Oasis-Shirt in der Größe XS flattert am Körper, eine halbe Portion, so schmal, dass man Sorge hat, die nächste Windböe könnte ihn zurück nach Jakarta wehen.

„So ist das mit Rivalen, bei Liverpool gegen Everton, bei West Ham gegen Millwall, überall“, sagt er und versucht grimmig zu gucken. „Überall geht es um Leben und Tod!“ Er nimmt einen Schluck aus der Ciu-Flasche, um die Chips runterzuspülen. Ob er Persib-Fans persönlich kenne, möchte man wissen. „Klar“, sagt er. „Viele in meiner Klasse sind Persib-Fans, auch Freunde.“ Und wenn du sie hier treffen würdest? „Dann müssten sie sterben.“ Er lächelt, seine Freunde lächeln auch, und Liam singt wieder von vorne: Lately, did you ever feel the pain?

Wenig später sind auch ein paar Polizisten vor Ort. Ein bisschen Präsenz zeigen. Sie schreiten mit ihren Pumpguns an den Leitplanken gemächlich auf und ab, als wären sie Schauspieler, die gerade ihre Rolle als Polizist durchgehen und darauf warten, dass jemand „Action“ ruft. Was ist Realität? Was ist Fiktion? Und wo sind überhaupt die Angreifer abgeblieben? Ach.


Gangzeichen J: Die gespreizten Zeigefinger und Daumen stehen für „Jakmania“

Bus, Steine, Scherben: Nach einem Angriff auf Persijas Bus, 243 Kilometer östlich von Jakarta

Auf einem Autobahn-Rastplatz...

... und nach der Ankunft am Stadion in Surakarta

1, 2, Polizei: Ein Beamter auf dem Highway. Die Angreifer sind schon längst über alle Berge.

Sweet dreams: Nach 18 Stunden Busfahrt, fünf Attacken und sehr viel Schnaps

Der Bus-DJ trägt StoneRoses-Shirt und legt Oasis-Perlen auf...

... aber die Crowd geht beten.

15 000 Fans sind nach Surakarta gereist. Einige fuhren die 600 Kilometer mit dem Moped.

Ein Persib-Fan im Persija-Block? Oder nur ein Junge, der die falschen Farben trug?

Nach dem Monsun: Viele Fans entledigen sich ihrer klitschnassen T-Shirts.

Persija schießt in der 77. Minute das 1:0. Wenig später bricht der Schiri die Partie ab.


Eigentlich ist es absurd, dass dieses Spiel nach Surakarta, an einen sogenannten neutralen Ort verlegt wurde. Schließlich sind Auswärtsfans bei den Partien zwischen Persija und Persib seit Jahren nicht mehr zugelassen. Das Problem: Persija hat momentan kein eigenes Stadion, da es für die Asienspiele renoviert wird. Die Heimspiele trägt das Team in Bekasi aus, einer Stadt im Speckgürtel von Jakarta, aber eigentlich schon Persib-Land, West-Java. Die Polizei verlagerte das Problem also einfach – und schuf dadurch diesen aberwitzigen Konvoi und das dazugehörige Kamikazeszenario. „Psst!“, flüstert ein Junge. „Adjap!“ Er steht ein paar Meter hinter einem Polizisten, grinst und zeigt einen Aufkleber, auf dem die Abkürzung „A.C.A.B.“ prangt.

Auch Rifki, der Junge mit dem Windbreaker, setzt ein Gewinnerlächeln auf. Als wäre dieser Trip ein Spiel. Wie „Schiffe versenken“ auf der Autobahn, die Flotte ist getroffen, aber kein Problem, sie fährt ja noch. „Persib ist schwach, und wir sind stark!“, sagt Rifki, als sich der Konvoi wieder in Bewegung setzt und draußen die Lichter von amerikanischen Fastfoodrestaurants vorbeifliegen wie aus einem fernen Universum und einem anderen Leben, McDonald’s, Kentucky Fried Chicken und so weiter. You and I are gonna live forever.

Eine öffentliche Debatte um Fangewalt im indonesischen Fußball hat es bislang kaum gegeben. Vor acht Jahren erschien ein Film zu dem Thema, „Romeo Juliet“, eine Liebesgeschichte zwischen einem Persija-Fan und einer Persib-Anhängerin. Der Regisseur wollte zeigen, dass es auch miteinander geht. Einige Fans tobten vor Wut, weil das niemals möglich sei. Auch das indonesische Magazin „Tempo“ berichtet gelegentlich über Fußballfans in Indonesien, zumeist kenntnisreich und investigativ. Vor einigen Monaten übersetzte sogar der „Guardian“ eine „Tempo“-Story mit dem Titel „Jakarta’s Hooligan Problem“. Es war das erste Mal, dass dieses Thema ausführlich in einer großen westlichen Zeitung behandelt wurde.

Ansonsten gibt es Einzelkämpfer ohne große Lobby. Etwa den Journalisten Akmal Marhali und den ehemaligen Verbandsfunktionär Llano Mahardika. Vor ein paar Jahren haben sie die Organisation „Save our Soccer“ (S.O.S.) gegründet und eine Art Monitoring-System entwickelt. Mit zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeitern durchleuchten sie den indonesischen Fußball in all seinen Facetten. Sie führen auch Buch über die Randale und die Toten. Einen Tag vor der Abreise nach Surakarta sitzen sie in einem Café in Zentral-Jakarta. Marhali, 38, beige Hose, schwarzes Hemd, entschlossener Blick, hat einen Stapel Unterlagen mitgebracht. Aber zunächst beugt er sich nach vorne, als habe er Sorge, dass jemand mithört. „65 Tote!“, sagt er und lässt die Zahl in der Hitze verpuffen.

65 Tote haben er und seine Mitarbeiter im indonesischen Fußball seit 1995 gezählt. Alleine 2017 kamen elf Fans im Rahmen von Fußballspielen ums Leben. Die Dunkelziffer könnte sogar noch viel höher liegen. Auf einer Grafik ist zu sehen, wie die Anhänger gestorben sind: durch Schläge und Tritte (24), durch Messerstiche (14), andere fielen aus den fahrenden Bussen oder wurden von Feuerwerkskörpern getroffen, einer wurde erschossen. Einmal wurde ein Junge zu Tode geprügelt, weil er bei einem Tor Persijas kaum gejubelt haben soll. Die Persija-Anhänger dachten daher irrtümlich, er wäre ein Persib-Fan, der sich in ihre Kurve eingeschlichen habe. Woher kommt nur diese rasende Wut? Warum fehlt der Respekt vor dem Leben?

15.000 Fans sind nach Surakarta gereist. Einige fuhren die 600 Kilometer mit dem Moped.

Die Spuren reichen weit in die Vergangenheit, in die Dekaden der Suharto-Diktatur. Einige der Männer, die Mitte der Sechziger über eine Million Kommunisten massakriert haben, leben heute noch. Und sie fühlen sich als Helden. Sie erzählen öffentlich und detailverliebt von ihren Morden. Sie berichten von rollenden Köpfen und abgeschnittenen Penissen, und sie lächeln dabei. Aber die Faszination für das Extreme hat auch etwas mit den Post-Suharto-Jahren zu tun, der Zeit nach 1998. Damals bekamen die indonesischen Regionen und Städte mehr politische Bedeutung, und es entwickelte sich ein verstärkter Lokalpatriotismus. Das Land war im Aufbruch, Punks liefen durch die Straßen Jakartas, Galerien eröffneten, die Zeitungen druckten kritische Berichte, und auch wenn Fußballstadien zuvor schon mehr Freiraum als andere Orte in Indonesien geboten hatten, konnte man nun noch lauter schreien, schimpfen und vor allem kämpfen. Gleichzeitig kam das Internet auf und zeigte den jungen Menschen, was sie über all die Jahre verpasst hatten. Auf einmal erschien die Welt nicht mehr riesengroß, selbst Indonesien mit seinen 17 504 Inseln wirkte übersichtlich und aufgeräumt. Man musste nur mit der Maus die richtigen Links anklicken.

„Wem sollen die jungen Menschen hier vertrauen? Wo sind die Vorbilder?“

Heute werde Indonesien zwar demokratisch regiert, man dürfe aber nicht glauben, dass alles sauber ablaufe, sagt Marhali. Vor allem nicht im Fußball, wo Personen das Sagen haben, die schon zu Suharto-Zeiten in den Schaltzentralen saßen. „Wem sollen die jungen Menschen hier vertrauen?“, fragt Marhali. „Wo sind die Vorbilder?“ Und dann beginnt er einen halbstündigen Monolog. Immer wieder tauchen darin Männer auf, gegen die selbst Sepp Blatter, Jack Warner und Co. aussehen wie Vorschüler. Er berichtet von korrupten Unternehmern, die vier oder fünf Erstligavereine gleichzeitig besitzen, was der Wettmafia aus Singapur oder Malaysia Tür und Tor öffne. Er holt sein Handy hervor und zeigt geheime Aufnahmen, die Mitarbeiter von ihm gemacht haben. Auf einem ist zu sehen, wie ein Geldkoffer den Besitzer wechselt, damit ein Spiel verschoben wird. Er erinnert an Nurdin Halid, den ehemaligen Verbandspräsidenten, der zwei seiner acht Amtsjahre wegen Steuervergehen im Gefängnis verbracht hat. Als er sich 2011 zur Wiederwahl stellte, löste er massive Fanproteste aus. Das wiederum nutzte der Ölmilliardär Arifin Panigoro aus und gründete eine illegale zweite Erste Liga. Er kaufte alte Vereine auf oder gründete neue. Danach spielten 15 Mannschaften in der staatlichen ersten Liga und parallel 19 in der illegalen „Super League“. This is Indonesia!

Das Thema Fangewalt beschäftigt in diesem Irrgarten des Wahnsinns kaum jemanden aus der Regierung oder dem Verband. Es gibt immer Wichtigeres. Ende Mai 2012 wurde etwa auf Druck von islamischen Hardlinern ein Lady-Gaga-Konzert in Indonesien verboten, während beim Clasico, der beinahe zeitgleich stattfand, drei Persib-Anhänger starben. „Fans und Ausschreitungen liegen nicht in unserem Verantwortungsbereich“, teilte auch der Fußballverband PSSI im Jahr 2016 mit. Die neue Generalsekretärin des PSSI, Ratu Tisha Destria, verspricht immerhin einen moderneren Kurs. Sie möchte eine Abteilung für Fanbelange gründen.

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Marhali ist skeptisch. Er blättert in einer alten 11FREUNDE-Ausgabe. Seine Augen bleiben an einem Bild hängen, das Bayern-Fans in einem Polizeikessel zeigt. „So etwas müsste es bei uns auch geben“, sagt er da. „Kontrollen am Stadion, verbesserte Infrastruktur, Kameras, ein professionelles Ticketing-System, Administratoren aus Europa.“ Marhali entwirft im Handumdrehen ein kleines Law-and-Order-Programm. Vielleicht ein Zeichen von Ohnmacht und Ratlosigkeit. Oder ist das Problem wirklich nur mit der harten Hand zu lösen?

Marhali überlegt. Er ist eigentlich einer, der den Leuten die Hand reichen möchte. „Wissen Sie, was gut wäre?“, fragt er und seine Augen leuchten. „Wenn wir den Fußball endlich sterben ließen. Nur für ein, zwei Jahre, und dann könnten wir ihn wieder aufbauen.“ Außerdem würde er sich ein Benefizturnier zu Ehren der Toten wünschen. Alle Klubs sollten daran teilnehmen, und rund um das Stadion würden sie Fotos der Verstorbenen aufhängen. „Wir würden sie sichtbar machen“, sagt er. „Die Fans würden aufeinander zugehen und darüber sprechen.“ Er hält kurz inne. „Wissen Sie, was der Verband dazu sagt? Er sagt: ‚Mister Marhali, das ist keine gute Idee!‘“

Kapitel 4

Sleep, Eat, Persija, Repeat

Kilometer 243. Der Bus brettert mit 100 km/h über den Highway, als der Stein – es ist der fünfte oder sechste Angriff der Nacht – im letzten Fenster einschlägt. Während die meisten Persija-Ultras auf die Felder rennen, kehren andere die Scherben zur Seite.

Vor einigen Jahren wurde ein Waffenstillstand von den führenden Köpfen der rivalisierenden Fangruppen vereinbart. „Aber wie soll man zehntausende Fans kontrollieren?“, fragt Diky Soemarno. Der 30-Jährige ist Generalsekretär bei Jakmania, der Dachorganisation aller Persija-Fans. Auf seinem T-Shirt steht „Sleep, Eat, Persija, Repeat“. Anders als die meisten in dem Konvoi spricht er fließend Englisch und hat einen gutbezahlten Job bei einer südkoreanischen Internetfirma. Er ist selbst Vater, sein Sohn ist fünf Jahre alt und heißt Mikael Zola Adidas. Zola wegen des ehemaligen Chelsea-Spielers, Adidas, nun ja, wegen Adidas. Das erste Mal war Diky im April 1998 bei einem Spiel von Persija, kurz vor dem Ende des Suharto-Regimes. Einen Tag später wurde er Mitglied bei Jakmania. Danach tauchte auch er tief ein in die Welt des Internets, und am liebsten verlor er sich auf Seiten der argentinischen Barra Bravas, die nach den Toren an den Zaun rennen und in Ekstase geraten. Dann sah er Ende der Neunziger beim indonesischen Klub Arema Malang die ersten Choreos und dachte, so etwas bräuchten sie auch bei Persija.

„This is Indonesia! Du kannst die Dinge nicht logisch erklären!“

Diky ist ein smarter junger Mann und kann sich gewählt ausdrücken. Er mag Musik von Coldplay, er war schon in Singapur und Thailand. Bald möchte er nach Japan. Wie die anderen glaubt er an Gott, an die Hölle und den Himmel. Aber er driftet wie die anderen gerne in Kriegsrhetorik ab. Er sagt, er sei ein guter Kämpfer. Oder dass er nicht mehr nach Bandung fahren könne, weil sie ihn töten würden. Ist dieser Fankrieg nicht haram, eine Sünde? Diky verdreht die Augen. „This is Indonesia“, sagt auch er. „Du kannst die Dinge nicht logisch erklären!“

Diky weiß auch, wie der Krieg mit Persib angefangen hat. Diese Rivalität entspinnt sich nicht über den Glauben der Fans wie bei Celtic gegen die Rangers. Sie fußt auch nicht auf dem Kampf von Arm gegen Reich wie in Argentinien bei Boca Juniors gegen River Plate – selbst wenn Persijas Fans gerne behaupten, Persib könne sich Spieler wie Michael Essien nur leisten, weil es von dem viertreichsten Mann des Landes, dem Multimilliardär Anthoni Salim, unterstützt wird. Eigentlich entstand die Rivalität – wie so vieles in Indonesien – durch Zufall. Als hätten die Anhänger eines Tages beschlossen, dass sie endlich auch Feinde benötigen.

Bis zur Jahrtausendwende fand das große Derby zwischen PSMS Medan und Persib statt, viele nennen dieses Spiel sogar heute noch den wahren indonesischen Clasico. 2001 aber, bei einem Auswärtsspiel in Bandung, sollen Persib-Fans neun Busse mit Persija-Anhängern überfallen haben. Es war die Geburt eines neuen Clasico, Auge um Auge, Zahn um Zahn. Natürlich sind noch zahlreiche andere Versionen der Entstehungsgeschichte in Umlauf, und natürlich behaupten Persib-Fans, die Persija-Anhänger hätten den Krieg angefangen. Eine Fassung geht so: 2001 nahmen Fans von beiden Teams an einem TV-Quiz in Jakarta teil. Auf der Heimfahrt nach Bandung wurden die Persib-Fans von Persija-Anhängern attackiert, weil diese das Quiz verloren hatten. Ach.

Am späten Morgen hat der Konvoi West-Java passiert. Ein letzter Stop bei Kendal, hundert Kilometer vor Surakarta. In einem Laden werden Hijabs verkauft und Hello-Kitty-Puppen, in einem Steinverschlag gibt es zum Frühstück Instantnudeln mit Instantkaffee, dazu Zigaretten. Der Ciu und die Angriffe haben Spuren hinterlassen: Die Gesichter sind verquollen, in den Bussen fehlen Scheiben. Einige schlurfen in eine Moschee, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt. Ein Dank an Gott, dass alles gut ausgegangen ist. Und die erneute Bitte, dass Persijas Spieler heute stark und schnell sein mögen.

Auf einem Autobahn-Rastplatz

Um 13 Uhr erreicht die Kolonne Surakartas Stadion Manahan, einen riesigen Betonbau in der Stadt. Die drei Stehkurven sind ausverkauft und komplett in Orange gehüllt, voller Banner und Fahnen. 18 000 Zuschauer sind gekommen, die meisten aus Jakarta. Das Thermometer zeigt 35 Grad, trotzdem tragen viele Fans noch ihre langen Hosen, die Windbreaker und Mützen. Vier Vorsänger drücken sich auf ein Podest am unteren Zaun der Kurve, durch ein großes Eisentor lugen Hunderte, die sich keine Tickets leisten können. Die Stimmung ist entspannt, kaum Polizei, lasche Kontrollen, und Persib-Anhänger sind wegen des Auswärtsverbots nicht zu sehen. Doch der Schein trügt. Das Spiel komprimiert den indonesischen Fußballwahnsinn noch einmal auf 90 Minuten: Stress auf den Rängen, ein Platzverweis, ein Wembleytor, Rudelbildungen – und am Ende stirbt beinahe jemand.

Aber zunächst, mitten in die Fangesänge hinein, öffnet sich der Himmel. Ein monsunartiger Regen prasselt auf Surakarta nieder, und die Fans sehen aus, als wären sie nicht durch West-Java angereist, sondern durch den Indischen Ozean geschwommen. Aber der Schiedsrichter lässt weiterlaufen, während sich hinter der Tribüne ein Schamane daran macht, den Regen zu besänftigen, und Persib ein astreines Tor schießt. Selbst aus hundert Metern Entfernung erkennt man, wie der Ball die Linie überquert, das Netz berührt und zurück ins Feld springt. Entsetzen im Block, dann Durchatmen: Der Schiedsrichter gibt das Tor nicht, er hat den Ball an der Latte gesehen.

Immerhin der Schamane scheint Profi zu sein, zur zweiten Halbzeit klart es tatsächlich auf. Bis in der 70. Minute die Fans außer Rand und Band geraten. Auf einmal stürmen hunderte von ihnen die Stufen der Kurve hinab und prügeln auf einen Jungen ein. Ein paar Polizisten beobachten gelangweilt das Geschehen. Die Capos versuchen, die Lage zu beruhigen, aber es zu spät. Der Junge hat keine Chance. Schließlich steigen drei Beamte in den Block und ziehen den Verletzten auf die Tartanbahn. Er sieht aus wie nach einem Zwölf-Runden-Kampf gegen Mike Tyson. Schnell machen die ersten Gerüchte die Runde. Das Opfer sei ein Persib-Fan, der sich eingeschlichen habe. Außerdem habe er seinen Freunden die Route des Konvois verraten. Die Stimmung ist nun angespannt, für ein paar Minuten jedenfalls, denn in der 77. Minute entscheidet der Schiedsrichter nach einem Schubser auf Elfmeter für Persija, und die Welt ist wieder in Ordnung. Bruno Lopes trifft zum 1:0-Siegtreffer.

Die Fans ersticken beinahe am eigenen Jubel. Maybe I just want to fly. Aber schon fünf Minuten später geht es weiter auf der Achterbahn der Gefühle. 83. Minute: Platzverweise für Persib. 84.: Rudelbildung an der Mittellinie. Persibs Spieler bedrängen den Schiedsrichter, und dann verlassen sie vor dem Abpfiff geschlossen den Platz, Persija ist der Sieger. Rifki, Luthfi, Raina und die anderen machen sich auf den Weg zum Bus. Rückfahrt. 18 Stunden nach Jakarta. 18 Stunden Highway to Heaven, aber dazwischen kommt wieder die Hölle. Auf dem Heimweg wird bekannt, dass der verprügelte Junge aus Surakarta stammt. Er war ein neutraler Zuschauer, aber der Saum seines T-Shirts war in den Farben Persibs gehalten: blau. Er hat großes Glück gehabt, der Bodycount tickt trotzdem unaufhörlich.

Ende November, als in Bali der Vulkan Agung kurz vor der Eruption steht und tausende Menschen evakuiert werden, verschickt Akmal Marhali, der Mann von „Save our Soccer“, eine Pressemitteilung. Angehängt sind neue Statistiken, denn es hat den 66. Todesfall gegeben, den zwölften im Jahr 2017, so viele wie noch nie. Marhali schreibt, der Fan hieß Rizal. Er war Anhänger von Persija Jakarta und wurde neun Tage nach dem Clasico, am 12. November, beim Spiel gegen Bhayangkara zu Tode geprügelt. Am 13. November war seine Beerdigung.


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Technische Umsetzung:

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